memento

The story of Orna Birnbach

My second meeting with Orna Birnbach

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31. August 2004
 
The first time
Die Aufregung ist groß. Nach etwa sechs Monaten Korrespondenz und der Entwicklung der Rubrik "denk-mal" auf meiner Homepage, sollte ich Orna Birnbach zum zweiten Mal persönlich treffen. Sie ist wieder einmal auf Vortragsreise in Deutschland, diesmal in der Umgebung von Limburg/Lahn und Vechta.
Zum ersten Mal bin ich Frau Birnbach 1987 begegnet. Im Rahmen einer Schülerreise nach Israel erzählte sie uns im Massuah Institut ihre Geschichte, die uns sehr erschüttert hat. Jetzt, nahezu zwanzig Jahre später, habe ich an dieses Treffen leider kaum noch eine Erinnerung.

Knapp zwei Stunden fahre ich von Karlsruhe nach Limburg. Gegen 14.30 treffe ich Orna schließlich im Haus von Christa Pullmann, die
The story of the doll
Vorsitzende der Gesellschaft für christlich jüdische Zusammenarbeit Limburg. Herzlich werde ich begrüßt von einer kleinen, vital aussehenden Dame, der man nicht abnehmen möchte, dass sie schon 78 Jahre alt ist.

Den ganzen Nachmittag unterhalten wir uns über Ihr und mein Leben. So erfahre ich noch viele kleine Episoden Ihrer Geschichte, die ich noch nicht kannte und die Vita verfollständigen.

So berichtet Sie unter anderem von Ihrer Begegnung mit Steven Spielberg, als dieser in Plaszow seinen Film Schindlers Liste dreht. Sie will einer Gruppe das Gelände des Lagers zeigen, doch wegen der Filmarbeiten ist es abgesperrt. Als sie bemerkt, dass die Darsteller Sträflingskleidung tragen, was nicht der damaligen Realität entspricht, versucht sie an Steven Spielberg heran zu kommen, doch man lässt sie nicht zu ihm. Sie fordert von den Wächtern Spielberg zu berichten, dass sie eine Überlebende des Lagers sei. Als dieser das erfährt, empfängt er sie sofort. Aufmerksam hört er Orna zu und hat ihre Hinweise im Film auch tatsächlich umgesetzt. Sowohl Orna als auch Christa Pullmann, die ihn ebenfall kennen gelernt hat, sprechen von Steven Spielberg voller Respekt und loben vor allem seine Bescheidenheit.

Orna Birnbach

Die Puppe auf diesem Bild wurde Orna von einem SS-Mann aus Hamburg weggenommen.

SS-Mann: Das ist aber eine sehr
schöne Puppe.

Orna: Das ist meine Puppe. Warum nimmst Du mir meine Puppe weg?

SS-Mann: Die gebe ich meiner Tochter damit sie was zum spielen hat.

20.00
Am Abend fahren wir zur Präsenzgalerie nach Gnadenthal. Sie trifft
Meeting in Gnadenthal
dort auf den Jerusalemer Maler Yehuda Bacon, den sie bisher noch nicht persönlich kennen gelernt hat. Da Yehuda als Kind ebenfalls mehrere Konzentrationslager überlebt hat, sollen die beiden in einem informellen Gespräch über das Thema "Als Kinder in Auschwitz" sprechen. Das Gespräch wird moderiert von Frau Pullmann.

Obwohl Yehuda Bacon nur ein Jahr jünger ist als Orna Birnbach, wird er von den Nazis als Kind behandelt. Zu seinem Glück kommt er in das "Musterlager" Theresienstadt und darf dort als Kind überleben während anderswo die Kinder umgehend vergast werden.

Orna dagegen muss sich absichtlich älter machen, als sie ist, um der Vergasung zu entgehen. Sie schminkt sich und trägt Schuhe mit hohen Absätzen, damit sie zum Arbeitsdienst eingeteilt wird, obwohl

Orna Birnbach: Begegnung mit Yehuda Bacon in Gnadenthal
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From right:
Yehuda Bacon, Orna Birnbach und Christa Pullmann
sie erst 15 ist.  

Beide berichten auch über Ihre ersten Erfahrungen nach der
Meeting in Weilburg
Befreiung. Yehuda Bacon kommt mit anderen überlebenden Kindern in ein Heim in Prag.

"Das Lager konnten wir nur durch Innere Verhärtung überleben. Es dauerte lange bis wir wieder Menschen wurden. Wir fragten uns, warum jemand gut zu uns sein sollte." Erst 1949, als er bei einer Beedigung weinte, kommt der Befreiungsschlag "Gott sei Dank, ich kann wieder weinen, jetzt bin ich wieder Mensch".

Orna Birnbach berichtet dagegen, dass sie sofort nach Palästina emigrieren wollte. "Hätten wir nur eine Heimstatt gehabt, ein offenes Tor, als alle anderen Tore für uns geschlossen waren, dann wäre die Shoah nicht möglich gewesen."

Sie litt vor allem daran, dass niemand hören wollte, was sie zu erzählen hatte. Erst nach dem Eichmann Prozess 1961 hätte das Interesse an Ihrer Geschichte zugenommen. Seitdem sie ihre Geschichte erzählen kann, so berichtet sie, hätte sie keine Albträume mehr. Sehr viele konnten nicht wie sie über ihre Erfahrungen sprechen und wurden ernsthaft psychisch krank. Auch ihre Mutter habe das Trauma niemals überwunden und wähnte sich noch auf dem Sterbebett in der Gaskammer.



01.09.2004, 07.30
Jakob-Mankel-Schule, Weilburg


Am nächsten Morgen fahren wir nach Weilburg. In der Jakob-Mankel Schule erzählt sie ihre Geschichte vor zwei Schulklassen, wie sie es
im weiteren Verlauf ihrer Vortragsreise noch oft tun wird. Sie erzählt  
ruhig und gelassen, fast könnte man meinen emotionslos, doch tatsächlich sehr eindringlich. Aufmerksam hören die Schüler zu,
Limburg
niemand stört, es gibt kein Getuschel. Nach und nach beginnt sich das Entsetzen auf den Gesichtern abzuzeichnen. Viel zu schnell sind die angesetzten 90 Minuten vorbei.

Danach trinken Frau Pullmann, Orna und ich noch eine Tasse Kaffee und dann wird es schon Zeit für die nächste Station, die Gesamtschule Weilmünster. An dieser Stelle verabschiede ich mich von Orna Birnbach. Sie möchte unbedingt noch ein Foto von uns beiden, was mich sehr berührt. Danach trennen sich unsere Wege wieder. Bestimmt nicht für immer.




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